Depression

Bipolare Depression akut behandeln: Gute Evidenz für atypische Antipsychotika und Lamotrigin

Original Titel:
Comparative efficacy and tolerability of pharmacological interventions for acute bipolar depression in adults: a systematic review and network meta-analysis

 
Kurz & fundiert
  • Depression bei Bipolarer Störung: Akutbehandlungsoptionen
  • Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse über 101 Studien mit 20 081 Patienten
  • Switch-Gefahr mit Antidepressiva, atypische Neuroleptika und Lamotrigin effektiv
  MedWiss Ein systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse über 101 randomisiert-kontrollierte Studien und 20 081 Patienten mit Bipolarer Störung fand, dass zur Akutbehandlung bipolarer Depression gute Evidenz zur Wirksamkeit mehrerer atypischer Antipsychotika sowie zum Antiepileptikum Lamotrigin vorliegt. Antidepressiva erhöhten hingegen das Risiko für einen manischen Switch.
Die Bipolare Störung ist eine Erkrankung, bei der es zu manischen oder hypomanischen und depressiven Phasen kommt. Die Phasen können individuell unterschiedlich lange andauern und sich im Schweregrad stark unterscheiden. Die Behandlung depressiver Episoden bei der Bipolaren Störung kann eine besondere Herausforderung darstellen – klassische Antidepressiva können den raschen Wechsel in eine manische Phase (manischer Switch) auslösen und damit eine große Gefahr für die Patienten darstellen. Wissenschaftler führten nun einen systematischen Review mit Netzwerk-Metaanalyse durch, um den aktuellen Forschungsstand dazu zu ermitteln, welche pharmakologischen Interventionen zur wirksamen Behandlung akuter bipolarer Depression eingesetzt werden können.

Depression bei Bipolarer Störung: Akutbehandlungsoptionen

Sie berücksichtigten hierfür randomisiert-kontrollierte Studien, die pharmakologische Interventionen miteinander oder mit Placebo zur Behandlung einer akuten, bipolaren Depression bei Erwachsenen verglichen. Dabei wurden Typ 1 und Typ 2 der Bipolaren Störung sowie nicht genauer klassifizierte Formen der Bipolaren Störung eingeschlossen. Die Wissenschaftler ermittelten relevante Studien aus den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken MEDLINE, Embase, PsycINFO, Google Scholar, Cochrane Library, Web of Knowledge, CINAHL und LILACS mit Veröffentlichung bis 13. April 2023. Zur Einschätzung der Wirksamkeit analysierte die Studie depressive Symptome (Mittelwertdifferenzen, MD), zur Einschätzung der Sicherheit das Auftreten manischer Switches (Odds Ratio, OR) sowie weitere unerwünschte Ereignisse und Behandlungsabbrüche.

Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse

Insgesamt konnten Daten aus 101 randomisierten, kontrollierten Studien mit zusammen 20 081 Patienten in die Analyse aufgenommen werden. Die 8 063 Männer (41,7 %) und 11 263 Frauen (58,3 %) sowie weitere Personen aus 4 Studien ohne Nennung des Geschlechts waren im Mittel 41,0 Jahre alt (28,7 – 53,6 Jahre). Die Studien betrachteten zusammen 68 Medikationen sowie Placebo. Mit moderatem Evidenzgrad schätzten die Autoren auf dieser Basis, dass Olanzapin plus Fluoxetin, Quetiapin, Olanzapin, Lurasidon, Lumateperon, Cariprazin und Lamotrigin wirksamer zur Reduktion bipolar-depressiver Symptome sind als ein Placebo. Mittelwertdifferenzen lagen im Bereich von MD: 0,41 mit Olanzapin plus Fluoxetin bis zu MD: 0,16 mit Lamotrigin. Verschiedene andere Medikationen, schreiben die Autoren, könnten ebenfalls wirksam sein, erreichten jedoch nur einen geringen bis sehr geringen Evidenzgrad. Die Klasse der Antidepressiva erschien zwar wirksam, aber ging im Vergleich zu Antipsychotika mit einem höheren Risiko für Switches in eine manische Phase einher. Darüber hinaus unterschieden sich die Nebenwirkungsprofile zwischen den Medikationen.

Switch-Gefahr mit Antidepressiva, atypische Neuroleptika und Lamotrigin effektiv

Die Netzwerk-Metaanalyse zeigt somit eine Bandbreite an Medikationen auf, die zur akuten Behandlung einer bipolaren Depression wirksam eingesetzt werden können. Antidepressiva, wie sie bei einer unipolaren Depression relevant sind, spielen dabei aufgrund der Switch-Gefahr eine untergeordnete oder nur begleitende Rolle. Vielmehr zeigten sich hier atypische Antipsychotika (Olanzapin in Kombination mit Fluoxetin, Quetiapin, Olanzapin, Lurasidon, Lumateperon, Cariprazin) und das Antiepileptikum Lamotrigin als effektive Wirkstoffe mit gutem Evidenzgrad und individuell zu berücksichtigendem, unterschiedlichem Nebenwirkungsprofil.

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